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Ort |
1805
1866 1870 |
Wk1 und Wk2 |
Sonstiges |
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Irsingen Ortsgeschichte |
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Auszüge aus der Dorfgeschichte geschrieben von Hauptlehrer Essenwanger Man liest so oft das Wort Heimat. Man hört heute so oft das liebe Wort und doch wird die Heimat oft so wenig geschätzt. Am meisten liebt die Heimat der, der sie nicht mehr hat, der fern seiner geliebten Geburtsstätte, fern von seinen lieben Angehörigen ist. Ich denke da an die Ausgewanderten und an diejenigen, die durch den Weltkrieg jahrelang dem trauten Heimatdörflein entrückt waren. Sie dachten so oft an ihre Heimat, an Eltern und Geschwister, an Frau und Kinder, an den Hof, an die Fluren, an das Kirchlein u.s.w. Dieses Gedenken heißen wir Heimatliebe. Heimatliebe soll aber nicht nur der haben, welcher fern von der Heimat ist, sondern auch der, der in derselben lebt. Er liebt die Heimat umso mehr, je mehr er sie kennt. Meine Zusammenstellung der geschichtlichen Ereignisse von Irsingen soll wesentlich dazu beitragen, daß die Heimat in der Vergangenheit und Gegenwart bekannt werde. Auf die Kriegsdrangsale, die das Volk seit zwanzig Jähren erduldet, die es verarmt und in seinem Wohlstand tief erschüttert hatten, folgten eine furchtbare Hungersnot und Teuerung. Schon die Jahre 1811—1815 hatten der Reihe nach unbefriedigende Ernten gebracht. Das Jahr 1816 begann mit ganz abnormen Witterungsverhältnissen. „Schon im Januar, mehr noch im Februar ist es heiß gewesen wie bei der ärgsten Sommerhitze, und es donnerten Wetter am Himmel als wie um Jakobi". Im März wurde es kalt, und das ganze Frühjahr hindurch war es naß und winterlich. Das schadete der Winterfrucht gewaltig, und auf manchen Äckern sah man kein Korn mehr. Auch im Juli regnete es fast ununterbrochen, und der Juli brachte Hagel, Wolkenbrüche und Überschwemmungen 1871 fand eine Sieges- und Friedensfeier statt. Der Gemeinderat genehmigte 25 fl. zur Anschaffung einer Reichsfahne, für Böllerpulver u. dergl. Auch eine Friedenslinde wurde gesetzt, welche an die Auferstehung des Deutschen Reiches erinnern sollte. Bei dieser Feier beteiligte sich die hiesige Schuljugend; die Kinder sagten Gedichte auf und sangen patriotische Lieder. Sie wurden im Gasthause bewirtet. Die Schüler bekamen Weißbier und Semmeln. Die Friedenslinde wurde 1873 nachgesetzt. 1. Weltkrieg 1914 - 1918 1.August 14. Samstag, alles ruhig. Die Dorfbewohner sind mit dem Einbringen der Ernte beschäftigt. In die Arbeit aber mischen sich sorgende Gedanken. Am Abend gibt das Bürgermeisteramt bekannt: „Mobilmachung befohlen; erster Mobilmachungstag 2. August 1914". Frauen und Kinder weinten und jammerten. Männer
und Burschen standen in Gruppen beisammen; die einen waren voll
Begeisterung für den Krieg und sangen vaterländische Lieder. Bei
anderen war die Stimmung sehr gedrückt, da ihnen der Abschied von
den Angehörigen nicht leicht fiel. 6. August 14. Pferdeaushebung. Es werden viele Pferde zurückbehalten und mit je 800-1200 Mark bezahlt. Heute kommt auch die Nachricht, daß England an uns den Krieg erklärt hat und daß unser Bundesgenosse Italien neutral bleiben wird. 28. August 14. Die Zeitungen bringen eine lange bayerische Verlustliste. So werden jetzt in jeden Siegesjubel die Wermutstropfen fallen. 2. Weltkrieg 1939 - 1945 26. August 1939. Aus der Ruhe
des nächtlichen Dorfes reißt ein Bote verschiedene Schläfer aus den
Betten an die Fenster und stellt ihnen Einberufungsbefehle zu, die
ein Auto des Wehrmeldeamtes dem Bürgermeister übermittelte. Kein
Zweifel, geheime Mobilmachung! Trotz der späten Nachtstunde weiß
bald das ganze Dorf davon. Alle Ruhe schwindet aus den Gesichtern,
ein Schreck fährt in die Menschen. Jedermann ist sich der ernsten
Lage bewußt. Nach kurzer Friedenszeit abermals Krieg! Er war da...
und kein wüster Traum. Greifbar steht er im Lande und sogar mitten
im Dorfe. Schon um 7 Uhr reist der Ortslehrer nach Weißenhorn zu
seinem Truppenteil, einem Landesschützenbataillon, ab, nachdem sich
von ihm einige brave Irsinger herzlich verabiedet haben. Weiter
rückten ein: Guggenmoos Ignaz, Adler Matthias, Merz Josef, Schmid
Georg, Wimmer, Hausfelder und Dorer. 7. Mai 1945. Das Radio bringt
uns heute die Nachricht von der bedingungslosen Kapitulation der
deutschen Armee. Auf Gnade und Ungnade sind wir nun dem Feinde
ausgeliefert. Eine Niederlage in diesem Ausmaße hat Deutschland noch
nicht erlebt. Geschlagen und gedemütigt halten wir bittere Einkehr
bei uns selbst. Deutsche Soldaten, die sich einen Zivilanzug
verschafft, ziehen auf ihrer Reise in die Heimat immer noch durch
unser Dorf. Im Dörflein hat eine große Unsicherheit um sich
gegriffen. Von Russen und Polen wird fürchterlich gestohlen.
Besonders haben sie es auf Fahrräder und Armbanduhren abgesehen. Die
Russen haben sich trotz Verbotes teilweise mit Waffen versehen und
deshalb wagt niemand etwas zu sagen oder dagegen einzuschreiten. 12. Mai 1945. Unser Ort wimmelt Von Fremden. Es sind zur Zeit hier 73 Evakuierte mit 76 Kindern; 34 Russen, 15 Angehörige der Organisation Todt und noch Polen, so daß unser Ort über 500 Einwohner zählt. 17. Mai 1945. Es wird noch
immer ruhig weiter gestohlen. Viele Leute gehen lieber zu Fuß, da
Sie fürchten, daß ihnen ihr Rad auf dem Wege abgenommen wird.
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